akute Virusinfektion mit Beteiligung des zentralen Nervensystems, die in wenigen Fällen zu schweren Lähmungen führt. Obwohl die Erkrankung (Kurzbezeichnung: Polio) vorwiegend Kinder befällt, ist der Name irreführend, da auch Erwachsene betroffen sein können, falls sie über keinen ausreichenden Impfschutz verfügen. Deutschland gilt heute als kinderlähmungsfrei, weltweit hat die Krankheit in vielen tropischen und subtropischen Regionen (v. a. Afrika und Indien) noch eine erhebliche Bedeutung, weshalb vor Tropenreisen auch der Impfstatus überprüft werden sollte. Die Weltgesundheitsorganisation entwickelte 1998 ein Programm, um den Erreger der Kinderlähmung zu eliminieren.
Ursache: Die Poliomyelitis-Viren werden durch Schmierinfektion (fäkal-oral) übertragen.
Befund: 90–95 % aller Infizierten merken nichts von der Infektion, etwa 5 % der Infizierten zeigen lediglich grippeähnliche Beschwerden. Nur bei weniger als 1 % der Angesteckten kommt es nach einem mehrere Tage dauernden Vorstadium mit grippeähnlichen Beschwerden und Durchfall sowie einer anschließenden fieberfreien Phase (Latenzphase) zu einem erneuten Fieberanstieg. Es schließt sich das Lähmungsstadium mit rasch auftretenden, schlaffen und asymmetrisch verteilten Lähmungen unter Fieberabfall an. Es kommt zum Stillstand der Erkrankung. Gefürchtet und mit hoher Sterblichkeit belastet ist das Übergreifen der Kinderlähmung auf die Hirnnerven oder auf das Atem- und Kreislaufzentrum. In der Mehrzahl der Fälle bilden sich die Lähmungen innerhalb eines Jahres zurück, es können aber auch dauerhafte Schäden zurückbleiben, die zu Deformierungen, Problemen mit der Blutversorgung und Verlangsamung des Knochenwachstums führen können. Selten kommt es nach Jahrzehnten zu einer Zunahme der Lähmungen (Post-Polio-Syndrom).
Behandlung: Eine Behandlung der Ursache ist nicht möglich. Intensive krankengymnastische Maßnahmen zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit betroffener Gliedmaßen und Gelenke sind besonders wichtig; Atemlähmungen machen eine längerfristige künstliche Beatmung und intensivmedizinische Maßnahmen notwendig. Eine Impfung wird für alle Kinder sowie für Erwachsene mit inkomplettem Impfschutz empfohlen. Eine Ansteckung ist auch durch Personen möglich, die kurz vorher eine früher übliche Schluckimpfung mit abgeschwächten Viren (OPV) erhalten haben. Die Poliomyelitisschutzimpfung wird deshalb seit 1998 nur noch mit dem inaktivierten Impfstoff (IPV) durchgeführt. Für nicht geimpfte Personen besteht eine hohe Ansteckungsgefahr.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 07.04.2011
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