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Ohnmacht (Synkope)

Plötzlich kurz bewusstlos, vielleicht ein Kollaps, doch bald wieder bei Sinnen: So verläuft eine typische Ohnmacht (medizinischer Fachbegriff: Synkope). Es gibt harmlose und ernsthafte Ursachen


Droht eine Ohnmacht? Manchmal gibt es Warnzeichen: Kopfdruck, Schwindel, Schweißausbruch, Übelkeit...

Eine Ohnmacht ist manchmal ein Einschnitt, der das Leben nachhaltig verändert. Viele Betroffene sind erst einmal völlig verunsichert: Was ist passiert? Bin ich krank? Stimmt etwas bei mir nicht im Kopf? Kann sich der Vorfall wiederholen? Auch steht die bange, keineswegs banale Frage im Raum, ob man künftig überhaupt noch ans Steuer darf. Damit sich das Vertrauen in die eigenen Kräfte bald wiederherstellt, ist es wichtig, den Ursachen nachzugehen.

Der Arzt spricht bei einer Ohnmacht von „Synkope“, die es in jedem Fall näher abzuklären gilt. Dazu mehr im Abschnitt „Diagnose“. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Schlag oder Zusammenprall. Das klingt bedrohlicher, als es oft ist. Denn viele Synkopen haben eine gute Prognose. In anderen Fällen hilft eine gezielte Behandlung, die Gesundheit zu stabilisieren. Auch der Betroffene selbst kann hier oft einiges tun. Mehr dazu am Ende dieses Beitrags.


Wie kommt es zu einer Synkope?

Schlägt das Herz viel zu schnell, zu langsam oder setzt es aus, fließt aus den Venen zu wenig Blut zum Herzen zurück, und wirft dieses dann zu wenig Blut aus, fällt der Blutdruck ab. Das Gehirn erhält nicht mehr genug Sauerstoff. In der Folge setzt das Bewusstsein aus. Wenn sich der Kreislauf gleich wieder fängt, handelt es sich um eine Synkope. Sie dauert meist nur etwa 20 Sekunden, selten wenige Minuten. Muskeln machen schlapp, die Beine können weggleiten. Dann sinkt der Betroffene (mit offenen Augen) in sich zusammen. Besonders im Liegen normalisiert sich der Kreislauf schnell, und der Ohnmächtige kommt wieder zu sich. In der Regel zeigt er keine Störungen des Bewusstseins.

Warnsymptome einer drohenden Ohnmacht können zwanghaftes Gähnen, Müdigkeit, aufsteigende Übelkeit, Schwindel, Kopfdruck, Schweißausbruch, Kältegefühl, Blässe, Zittern, eventuell auch Herzklopfen sein. Häufig berichten die Betroffenen von einem plötzlichen Flimmern oder Schwarzwerden vor den Augen und Ohrensausen. Auch Schmerzen in der Brust, im Nacken oder Rücken sind mitunter möglich. Bei Herzrhythmusstörungen kann eine Ohnmacht auch ohne jede Vorwarnung auftreten.

Mögliche Folgen

Ob der Betroffene kollabiert, also umgekippt ist, hängt von der Position ab, die er zuvor innehatte. Ungefähr jeder Dritte verletzt sch leicht, zieht sich etwa eine Prellung zu. Auch Knochenbrüche oder Verkehrsunfälle kommen vor, aber seltener. Die gute Nachricht vorab: Die Gefahr, dass Menschen während einer Synkope einen Unfall verursachen, ist offenbar nicht höher als bei den übrigen Verkehrsteilnehmern. Weitere Informationen zum Thema „Synkope und Autofahren“ am Ende dieses Beitrags.

Wie glimpflich eine Ohnmacht ausgeht, ist eine Frage der Situation und der Ursache. Ob eine Synkope sich wiederholt, hängt ebenfalls von der Ursache ab, außerdem davon, wie viele Vorfälle dieser Art der Betoffene schon erlebt hat. Waren es maximal ein bis zwei, ist das Risiko, dass es in den nächsten zwei Jahren erneut dazu kommt, kleiner, als wenn es schon häufiger passiert ist.



Herz-Lungen-Wiederbelebung: Herzdruckmassage kann den Kreislauf wieder in Gang bringen

Was tun im Notfall?

Einen Ohnmächtigen sollten Sie sofort aus Menschensammlungen oder einer Gefahrenzone wegbringen. Sie sollten ihn dann umgehend auf dem Rücken lagern, Beine hochlegen und für frische Luft sorgen. Kommt er nicht augenblicklich wieder zu sich, umgehend den Notarzt alarmieren. Atmet der Bewusstlose, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage. Bei fehlender Atmung beginnen Sie mit Wiederbelebungsmaßnahmen.

Mehr dazu im Beitrag Erste Hilfe.

Andere Formen akuter Bewusstlosigkeit

Außer Synkopen gibt es noch weitere Arten von Bewusstlosigkeit. Die Übergänge sind manchmal fließend, die Ursachen mitunter dieselben. Zum Beispiel kann ein Herzinfarkt oder eine schwere Herzrhythmusstörung das eine Mal eine Ohnmacht, das andere Mal vielleicht einen Kreislaufschock auslösen. Hier erfasst der Durchblutungs- und Sauerstoffmangel den ganzen Körper, und es besteht akute Lebensgefahr. Auch wenn es für den Laien nicht einfach zu unterscheiden ist: Jemand, der auf einen Schockzustand zusteuert, wirkt massiv gefährdet. Seine Haut ist fahl, violett marmoriert, kühl und schweißnass, das Herz rast, der Puls ist flach. Er atmet schnell oder schwer, ist unruhig oder benommen, womöglich verliert er das Bewusstsein. Rufen Sie umgehend den Notarzt, wirken Sie beruhigend auf den Betroffenen ein, und lagern Sie ihn, wenn er nicht bewusstlos ist, mit erhöhtem Oberkörper. Lockern Sie beengende Kleidung.

Hat ein Bewusstloser Diabetes, kann er in einen Unterzuckerschock geraten sein. Das ist ebenfalls lebensgefährlich, denn der Betroffene ist nicht mehr in der Lage, sich zu helfen. Einige Anzeichen von Unterzucker (Hypoglykämie) wie Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Sinnesstörungen überschneiden sich mit denen einer Synkope. Bei Unterzucker kommt es überdies häufig zu Heißhunger und Zittern. Nach längerer Krankheitsdauer oder im höheren Lebensalter nehmen Betroffene die Hypoglykämie manchmal jedoch nicht mehr wahr, da die Warnzeichen nachlassen. Das hängt damit zusammen, dass die (autonomen) Nerven, die entsprechende Signale senden, durch den Zucker geschädigt sind. Auch gewöhnt sich der Körper nach wiederholten Hypoglykämien offenbar daran und schlägt nur spät Alarm. Viele Diabetiker reagieren erst, wenn dem Gehirn der Zucker ausgeht, sprich: bei Schwierigkeiten mit der Konzentration, mit dem Gleichgewicht oder dem Sehen.

Um noch rechtzeitig gegenzusteuern, hilft dem Diabetiker oft ein Stück Traubenzucker, der schnell ins Blut übertritt. Dazu reichlich Flüssigkeit trinken lassen.
Mehr über andere Störungen des Bewusstseins weiter unten (Abschnitt „Andere Formen von Bewusstseinsstörungen – Schwindel – Sturzattacken.“).


Ohnmacht und Psyche

Eine psychische Ohnmacht? Auch das gibt es – sozusagen. Psychogene Pseudosynkope nennen Ärzte solche Anfälle. Sie sind eigentlich keine Synkopen. Unter anderem fehlen typische Auslöser und Kreislaufreaktionen wie Puls- und Blutdruckabfall. Doch kann auch mal eine sogenannte vasovagale Synkope (siehe nachfolgend unter Punkt 2) psychisch überlagert sein. Mehr dazu im Abschnitt "Psychische Ohnmachtsanfälle".

Ursachen von Synkopen

Wenn die Sinne kurzerhand schwinden, kommen zahlreiche Ursachen in Betracht. In etwa einem Drittel der Fälle bleiben diese unklar. Häufig lösen übersteigerte Kreislaufreflexe eine Ohnmacht aus, sodann Herzerkrankungen und Störungen der Blutdruckregulation (orthostatische Hypotonie).

1. Synkopen unbekannter Ursache

Wenn sich bei der ausführlichen Untersuchung nach einer Ohnmacht keine krankhaften Veränderungen finden, nennen Ärzte das idiopathisch. Solche Synkopen gelten als die häufigste Form. So beunruhigend das Geschehene auch ist: In diesem Fall gibt es oft erst einmal Entwarnung. Es ist aber ratsam, sich ein wenig zu wappnen (Tipps dazu am Ende des Beitrags). Dazu gehört auch, in gewissen Abständen zum Arzt zu gehen, um eventuelle Störungen rechtzeitig zu erkennen.

2. Reflex-Synkopen

Bestimmte Reize können können dazu führen, dass Teile des vegetativen Nervensystems übersteigert reagieren, was dämpfend auf Herz und Kreislauf wirkt. Dann kommt es zu einer reflexvermittelten Ohnmacht. Ärzte unterscheiden drei Formen:

  • Vasovagale Synkopen
  • Situative Synkopen
  • Karotis-Sinus-Synkopen


- Vasovagale Synkopen treten vor allem bei eigentlich gesunden, jüngeren Menschen auf: sogenannte „common faints“. Faint ist das englische Wort für Ohnmacht. Sie gelten prinzipiell als harmlos. Vasovagal besagt, dass der Vagusnerv in bestimmter Weise auf die Gefäße einwirkt. Der Nerv gehört zum vegetativen System und hat dämpfende Effekte im Kreislauf. Dann lässt die Gefäßspannung nach, der Blutdruck fällt ab, eventuell auch der Puls. Sind die Reaktionen zu stark, bekommt das Gehirn kurzzeitig nicht genug Blut.



„Autogrammstunde abgebrochen, Fans ohnmächtig“... auch das gibt es

Entsprechende Reize für den Vagus gibt es jede Menge. Dazu gehören starke Schmerzen, Erschrecken, Angst und andere intensive Gefühlsregungen, psychischer Stress, eisige Kälte. Auch das Umkippen nach langem Stehen oder die Ohnmacht der Fans beim Pop-Konzert fällt letztlich in diese Kategorie (siehe dazu aber auch weiter unten: Orthostase-Synkope). Alkohol, eventuell auch Drogen, stickige Luft und drangvolle Enge sind dem Kollaps förderlich. Manch einer kippt schon beim Anblick von ein paar Tropfen Blut um.

Oder: Jemand knickt mit Wucht beim Joggen ein, verspürt einen Ruck am Knöchel und heftigen Schmerz. Daraufhin bricht ihm kalter Schweiß aus allen Poren, es wird ihm übel, er ist kalkweiß und ihm schwinden die Sinne. Hier passieren Reflexe und Reaktionen Schlag auf Schlag: Blutdruck und Puls fallen ab, die Gefäße weiten sich, die Muskeln erschlaffen, das Bewusstsein klinkt sich aus. Aus Sicht des Körpers ist diese k.o.-(knock-out-)Symptomatik so etwas wie eine Entspannungsreaktion gegen den Schmerz. So deuten es zumindest psychosomatisch denkende Ärzte. Und: tatsächlich reagieren einige Menschen empfindlicher gegenüber Schmerzen und entwickeln leichter Ohnmachtsreaktionen als andere. Übrigens: Tiere kennen keine Ohnmacht.

- Situative Synkopen: Solche Synkopen stehen in Zusammenhang mit bestimmten körperlichen Aktivitäten. Eine Synkope bei einem jungen Sportler nach intensiver sportlicher Belastung – davon hört man immer wieder mal. Auslösend sind dämpfende Reflexe, sofern nicht extreme Erschöpfung, eine Austrocknung (Dehydratation), wie bei Marathonläufern typisch, oder eine Herzrhythmusstörung der Grund ist. Mitunter kann die Ohnmacht auch ein frühes Anzeichen einer sich später entwickelnden Störung des vegetativen beziehungsweise autonomen Nervensystems sein. Solche Störungen heißen ganz allgemein autonome Neuropathie. Diese tritt ansonsten auch bei Menschen mittleren und höheren Alters auf (siehe unten unter Punkt 4).

Bei manchen Patienten erhöht heftiges Naseschneuzen oder auch starkes Husten bei Bronchitis den Druck im Brust- oder Bauchraum dermaßen, dass in dem Moment Herz und Gehirn zu wenig Blut aus dem unteren Körperbereich zufließt. Mögliche Folge: eine Reflex-Ohnmacht. Ein zu schwacher Harnstrahl aufgrund einer vergrößerten Prostata oder ein zu träger Darm verleiten oft zu starkem Pressen auf der Toilette. Auch dann kann es zu einer Ohnmacht kommen. Nervenreflexe aus den Bauchorganen lösen in all diesen Fällen den Kollaps aus. Das gilt auch für Synkopen nach einer Mahlzeit.

Lungenhochdruck, also ein erhöhter Druck in den Lungengefäßen, kann anfangs wenig Symptome machen, sofern keine andere Krankheit zugrunde liegt. Mitunter haben die Betroffenen leichte Atemnot, wenn sie sich körperlich etwas belasten. Im Laufe der Zeit kann es auch zu Synkopen kommen, etwa bei Anstrengungen oder beim Husten.

- Karotis-Sinus-Synkopen: Solche Ohnmachtsanfälle beruhen auf einer Besonderheit an der Halsschlagader, der Arteria carotis. In ihrer Gabelung (lat. sinus) seitlich am Hals liegt ein kleines Nervenknäuel mit feinsten Sensoren, den Barorezeptoren oder Drucksinneskörperchen. Es sind Blutdruckfühler. Mitunter reagieren sie auf Druck von außen überempfindlich – beispielsweise beim Drehen des Kopfes oder bei zu engem Hemdkragen. Schnelle Verschaltungen, die über vegetative Bahnen das Kreislaufzentrum im Gehirn erreichen, lösen wegen des hier vermeintlich zu hohen Blutdrucks dann einen Puls- und Druckabfall bis hin zur Synkope aus.


Um die Diagnose zu stellen, versucht der Arzt, den Reflex zu provozieren (siehe Abschnitt "Diagnose"). Eine Karotis-Sinus-Synkope, auch Carotis-Sinus-Syndrom genannt, ist bei Patienten unter 40 Jahren eher ungewöhnlich. Bei älteren Menschen dagegen kommt ein überempfindlicher Karotis-Sinus als Ursache einer Ohnmacht häufiger vor.

3. Herz-Synkopen

Herzkrankheiten, die mit Synkopen einhergehen können, lassen sich zwei Gruppen zuordnen: auf der einen Seite Herzrhythmusstörungen, auf der anderen Seite strukturellen Veränderungen des Herzgewebes. Damit sind die Herzkranzgefäße, der Herzmuskel, die Herzscheidewand, die Klappen und die Herzhülle gemeint.

Herzrhythmusstörungen

Am häufigsten sind Herz-Synkopen Folge einer Herzrhythmusstörung (sogenannter Adam-Stokes-Anfall). Das Herz schlägt hier deutlich zu schnell oder zu langsam, unregelmäßig oder macht Pausen. Krankheitsbilder mit zu langsamem Puls (Bradykardie; Brady- bedeutet langsam, -kardie bezieht sich auf das Herz) oder Pausen sind zum Beispiel das Syndrom des kranken Sinusknotens oder ein ausgeprägter Leitungsblock im Reizleitungssystem des Herzens.



Kammerflimmern Im EKG (untere Linie), oben normale Herzstromkurve

Rhythmusstörungen mit schnellem Puls heißen supraventrikuläre oder ventrikuläre Tachykardie, Tachyarrhythmie oder Vorhofflimmern (ventrikulär bedeutet Kammer, supra- = oberhalb, Tachy- = schnell, -arrhythmie = Unregelmäßigkeit). Bei Vorhofflimmern ziehen die Herzvorhöfe sich nicht regulär zusammen, der Puls ist völlig unregelmäßig.

Alle genannten Rhythmusstörungen können dazu führen, dass das Herz zu wenig Blut fördert und der Blutdruck abfällt. Wird im Gehirn vorübergehend eine kritische Schwelle unterschritten, ist eine Ohnmacht die Folge. Ein Kammerflimmen dagegen geht mit ungeordneten schnellen Herzerregungen einher, die in einen Herzstillstand und Schock münden.

- Angeborene Störungen des Herzrhythmus

Herz-Synkopen kommen häufiger, aber nicht nur, bei älteren Menschen vor. Gelegentlich erweist sich bei jüngeren, eigentlich gesund wirkenden Menschen eine angeborene Herzrhythmusstörung als Ursache einer Synkope oder eines Herzschocks. Häufig sind es sogenannte Ionenkanalerkrankungen. Über Ionenkanäle strömen elektrisch geladene Natrium- und Kaliumionen in die Herzmuskelzellen – eine Grundvoraussetzung für die Herztätigkeit. Krankheitsbilder mit Funktionsstörungen der Ionenkanäle und damit verbundenen Herzrhythmusstörungen sind das Long-QT-(LQT-)Syndrom (ein Oberbegriff für mehrere Erkrankungen), das familiäre Sinusknoten-Syndrom und das Brugada-Syndrom.

Eine etwas andere Grundlage haben Herzrhythmusstörungen bei der ebenfalls angeborenen, arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie (ARVCM; zu deutsch: Muskelerkrankung der rechten Herzkammer mit Neigung zu Rhythmusstörungen). Hier verfettet das Muskelgewebe in der rechten Herzkammer; sie vergrößert sich im Laufe der Zeit, was dann die Arrhythmien auslösen kann.

Zu den Symptomen des LQT-Syndroms gehören anfallsweise auftretendes Herzrasen (sogenannte Torsade de pointes) mit Schwindelanfällen und Synkopen. Schlimmstenfalls kommt es zum plötzlichen Herztod. Die Krankheit kann aber auch symptomlos bleiben. Das Sinusknoten-Syndrom geht mit längeren Pausen des Herzrhythmus, aber auch langsamen und schnellen Herzschlägen im Wechsel einher. Beim Brugada-Syndrom können sehr schnelle oder ungeordnete Herzschläge aus den Herzkammern eine Ohnmacht oder einen Herzstillstand auslösen. Die ARVCM führt mitunter bei jungen Menschen im Zuge körperlicher Belastungen – häufig Sportler – zu schweren Herzrhythmusstörungen, Synkopen und plötzlichem Herztod.

- Störungen des Herzrhythmus infolge anderer Herzerkrankungen

Einige Medikamente sind in der Lage, ein LQT-Syndrom am Herzen nachzuahmen. Dazu gehören paradoxerweise bestimmte Antiarrhythmika, die normalerweise Herzrhythmusstörungen eindämmen, sodann Psychopharmaka, einige Antibiotika, gefäßerweiternde Medikamente sowie neuere (nicht müde machende) Antihistaminika gegen Allergien und Nesselsucht. Sich gegenseitig verstärkende Medikamentenwirkungen können im Einzelfall ebenfalls ausschlaggebend sein.

Theoretisch sind auch defekte Schrittmacher eine Quelle für Herz-Synkopen. Die Geräte werden aber regelmäßig kontrolliert, sodass das Ausfallrisiko sehr gering ist.

Manche Herzerkrankungen haben zur Folge, dass das Herz seine Schlagkraft nicht an den jeweiligen Bedarf anpassen kann. Wenn dann noch gestörte Kreislaufreflexe oder eine Orthostase-Problematik dazukommen (siehe unten), hat das leicht eine Ohnmacht zur Folge. Eine solche Kettenreaktion findet mitunter auch bei einem Herzklappenfehler, einem Herzinfarkt oder bei anderen Erkrankungen des Herzmuskels, den Kardiomyopathien, statt. Hier können verdickte Wandbereiche die Förderleistung des Herzens einschränken und / oder den Blutstrom behindern.

Selten sind Herztumoren, etwa sogenannte Vorhofmyxome die Ursache einer Ohnmacht, etwa wenn sie die Bewegungen der Herzklappen stören. Diese stellen normalerweise zusammen mit dem Herzmuskel sicher, dass das Herz sich ausreichend mit Blut füllt und dieses auch wieder auswirft.
Erkrankungen des Herzbeutels (Perikard) oder Anomalien der Herzkranzgefäße sind ebenfalls manchmal Auslöser von Synkopen. Zu nennen sind außerdem defekte künstliche Herzklappen.



Der Blutdruck ist schnell kontrolliert

4. Orthostase-Synkope

Die vierte Gruppe umfasst Ohnmachten aufgrund eines Blutdruckabfalls in dem Augenblick, wo der Betroffene eine aufrechte Körperhaltung (griech. Orthostase) einnimmt. Besonders spürbar wird das beim Aufstehen aus dem Bett. Ein im Stehen deutlich absinkender Blutdruck heißt orthostatische Hypotonie. Damit verbundene Ohnmachten nennen Mediziner orthostatische Synkopen.

Wie kommt es dazu?


Dreh- und Angelpunkt ist wiederum das vegetative (autonome) Nervensystem, hier vor allem der Anteil, der die Sympathikusnerven umfasst. Er aktiviert nicht nur den Kreislauf, sondern auch viele andere Organe. Außerdem wirkt er als Gegenspieler des weiter oben beschriebenen dämpfenden Vagus. Eine Synkope kann nicht nur infolge überwiegender dämpfender Vaguseffekte, sondern auch bei einer Erkrankung, Schädigung oder Funktionsstörung des sympathischen Systems entstehen.

Eine leichte Blutdruckdelle beim Wechseln aus der Horizontalen in die Vertikale ist normal. Der Körper fängt das aber gleich wieder auf. Bei krankhaftem Niederdruck im Stehen fällt der obere, systolische Blutdruckwert sehr stark ab, weil das Blut in den Bein- und Bauchvenen versackt. Die Gefäße in der Körperperipherie spannen sich nicht ausreichend an. Damit fließt zu wenig Blut zum Herzen zurück, und der Blutdruck steigt nicht wie gewöhnlich. Bei einigen Patienten fällt zudem der Puls ab.
Im Liegen ist eine Orthostase-Synkope ausgeschlossen.

Symptome der Orthostase-Ohnmacht: Die möglichen Begleit- oder Warnsymptome sind ähnlich wie bei Reflexsynkopen: Sie reichen von Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Herzklopfen, Schweißausbrüchen über Seh- und Hörstörungen (Ohrensausen oder Druck auf dem Ohr) bis hin zu Nacken-, Rücken- oder Brustschmerzen.


Blutdruck-Normwerte: Der normale Blutdruck beträgt 120 bis 139 / 80 bis 89 mmHg. Der erste, obere Wert ist der systolische Druck, der zweite, untere der diastolische. Ab Werten von 140/90 mmHg besteht Bluthochdruck (Hypertonie). Bei Druckwerten unter 105 zu 60 mmHg liegt ein Niederdruck (Hypotonie) vor.


Was steckt hinter Orthostase-Problemen?

Zunächst gibt es eine ganze Reihe neurologischer Ursachen. Dabei können Störungen grundsätzlich auf allen Ebenen des Nervensystems liegen: im Gehirn, im Rückenmark oder im Bereich der Körpernerven (peripher). Je nach Krankheitsbild sind zahlreiche Symptome möglich, darunter Blutniederdruck im Stehen. Manche Betroffene neigen dann auch zu Ohnmachten.

Zum einen kommt ein sogenanntes primäres autonomes Versagen in Betracht, also Störungen unmittelbar im vegetativen, auch als autonom bezeichneten Nervensystem. Verantwortlich sind hier wiederum verschiedene Krankheitsbilder, unter anderem das Bradbury-Eggleston-Syndrom. Es zeigt sich im mittleren Lebensalter, häufiger bei Männern als bei Frauen. Die Ursache ist unklar.
Leitsymptome sind der niedrige Blutdruck im Stehen mit Benommenheit, Sehstörungen und Synkopen. Offenbar kann es auch zu Schmerzen im Nacken und Rücken kommen, eventuell im Stehen zunehmend.

Zum anderen beruhen Störungen der autonomen Nerven mit orthostatischer Ohnmacht nicht selten auf degenerativen Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie der Parkinson-Krankheit oder parkinsonähnlichen Krankheitsbildern (sekundäres autonomes Versagen). Ärzte diagnostizieren dann mitunter eine sogenannte Multisystematrophie oder -degeneration. Sie beginnt ebenfalls im mittleren Lebensalter.
Symptome: Schon relativ früh können orthostatische Probleme, dazu auch typische Anzeichen der Parkinson-Krankheit wie Muskelsteife, bestimmte Formen von Zittern und verlangsamte Bewegungen auffallen. Je nach Ausprägung treten noch weitere Störungen des autonomen Nervensystems wie Sprech- und Schluckstörungen, Gangstörungen und Fallneigung auf.

Weitere Informationen zum Thema Parkinson finden Sie im Ratgeber „Parkinson-Krankheit.“

Bei anderen neurologischen Krankheitsbildern, die mit einer Schädigung der autonomen Nerven einhergehen, fehlen dagegen parkinsonähnliche Krankheitszeichen. Die Symptome hängen davon ab, welches Nervengebiet im Körper hauptsächlich geschädigt ist. Mögliche Beschwerden sind etwa ausgeprägte Verstopfung, starkes Schwitzen, trockene Augen, Mundtrockenheit und vieles mehr. Eine instabile Blase (Harninkontinenz) oder Impotenz (erektile Dysfunktion) können manchmal die Krankheit schon einige Jahre vorher andeuten.
Manchmal nehmen die autonomen Nerven auch bei Verletzungen des Rückenmarks Schaden.

Als dritte Möglichkeit spielen innere Erkrankungen bei den autonomen Nerven-Funktionsstörungen eine wichtige Rolle. So können ein Diabetes mellitus oder Veränderungen durch chronisches Nierenversagen im Laufe der Zeit speziell die Nerven des autonomen Systems angreifen (autonome Neuropathie).


Als nächstes kommen die Beinvenen ins Spiel. Ausgeprägte Krampfadern im Venensystem schwächen nicht nur die Beine selbst, sondern auch den Kreislauf und begünstigen dann Orthostase-Probleme: In den stark geweiteten Beinvenen versackt zu viel Blut, das für die Zirkulation entfällt (venöses Pooling).

Übrigens: Auch bei den heißen Temperaturen im Sitz-Pool erweitern sich die Venen und "poolen" das Blut. Kreislauflabilen Menschen kann es schwindelig werden, oder es kommt sogar zu einer kurzen Ohnmacht ("Jacuzzi-Synkope"). Saunagänger verlieren beim Schwitzen viel Flüssigkeit. Wer vor dem Saunen und danach nicht genug trinkt, macht eventuell schlapp.

Eine wichtige Rolle bei der orthostatischen Hypotonie beziehungsweise Orthostase-Synkope spielen auch Medikamente: etwa solche, die die Gefäßspannung (den Tonus) reduzieren wie bestimmte Blutdrucksenker und Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen. Sodann kommen starke Schmerzmittel und einige Psychopharmaka in Betracht, schließlich wassertreibende Mittel (Diuretika).

Bettlägerigkeit macht dem Kreislauf erheblich zu schaffen. Wer danach wieder auf die Beine will, muss anfangs häufig gegen Schwindel beim Aufstehen und drohende Ohnmacht ankämpfen. Regelmäßige Gymnastikübungen im Bett können Kreislauf und Muskeln stärken und die Startschwierigkeiten etwas abmildern.

Wer ist häufiger betroffen?

Orthostatische Synkopen kommen öfter bei älteren Menschen vor. Im Stehen neigen sie eher zu einem niedrigen Blutdruck (orthostatische Hypotonie). Im Liegen aber weisen viele von ihnen einen normalen oder sogar erhöhten Blutdruck auf. Daher führen die üblicherweise in Ruhe gemessenen Blutdruckwerte hier nicht immer weiter. Der Arzt setzt dann spezielle Kreislauftests ein (siehe Kapitel "Diagnose").

Aber Achtung: Schlanke, hochgewachsene junge Menschen, vor allem Frauen, neigen häufig zu niedrigem Blutdruck. Ärzte nennen das konstitutionelle Hypotonie. Bei Änderungen der Körperlage – vom Liegen zum Stehen – fühlen sich die Betroffenen oft benommen. Verstärkend können hier Schlafmangel und Alkohol wirken. Zu einer echten Ohnmacht kommt es bei ihnen aber eher selten.

Doch kann bei manchen Menschen, die einen niedrigen Blutdruck haben, längeres Stehen eine Ohnmacht auslösen – eventuell eine Kombination aus Reflex- und Orthostase-Synkope (Reflex-Stehsynkope).

Manchmal steckt auch ein posturales orthostatisches Tachykardie-Syndrom, abgekürzt POTS, hinter einer Orthostase-Problematik. Bei Frauen kommt das POTS häufiger vor als bei Männern. Mitunter geht eine Infektionskrankheit voraus. Typisch ist eine zunehmende Kollapsneigung im Stehen, ohne dass der Blutdruck abfällt. Im Gegenteil: Er nimmt sogar eher zu. Vor allem steigt hier der Herzschlag deutlich an.

Über Ursachen, Diagnose und Therapie des niedrigen Blutdrucks gibt der Ratgeber "Blutniederdruck (Hypotonie)" Auskunft.

Psychische Ohnmachtsanfälle

Sogenannte Konversionssyndrome können psychisch bedingte Ohnmachtsanfälle – sogenannte Pseudosynkopen – auslösen. Konversion bedeutet, dass psychische Bewusstseinsinhalte, also etwa Gefühlswahrnehmungen und Befindlichkeiten, unbewusst verdrängt werden. In die (Symbol-)Sprache des Körpers übertragen, äußern sie sich körperlich. Ohnmachten gehören zu den dissoziativen neurotischen Konversionsstörungen, die auch mit Bewusstseinsveränderungen einhergehen. Dissoziativ bedeutet, dass jemand unterschiedliche Persönlichkeits- oder Identitätszustände (er)lebt.

Wegen des Verlustes der Körperkontrolle während der Ohnmacht wirken die Muskeln schlaff. Manchmal kommt es aber auch zu sich windenden oder krümmenden Bewegungen. Verletzungen sind durchaus möglich. Im Unterschied zu den eigentlichen, kurzen Synkopen dauern psychisch bedingte Ohnmachtsattacken bis zu 15 Minuten bei geschlossenen Augen. Die Anfälle können sich in kurzen Zeitabständen, mitunter sogar mehrmals am Tag, wiederholen. Die Bewusstseinsstörung ist unterschiedlich ausgeprägt. Die Betroffenen reagieren teilweise auf suggestives Ansprechen. Früher und bis weit in die Geschichte der Ohnmacht zurück wurden psychogene Ohnmachten als hysterisch bezeichnet. Die Diagnose und Therapie obliegt einem Facharzt für Psychotherapie und Psychiatrie. Hilfreich können zum Beispiel verhaltenstherapeutische Verfahren sein, darunter auch Entspannungstherapien.

Andere Formen von Bewusstseinsstörungen – Schwindel – Sturzattacken

Zahlreiche Erkrankungen können zu Bewusstseinsstörungen unterschiedlichen Schweregrades, Schwindelattacken oder Stürzen führen. Auslösend sind hier aber keine rein "funktionellen", vorübergehenden Durchblutungsstörungen im Gehirn durch einen kurzen Blutdruckabfall. Daher handelt es sich nicht um Synkopen.


Gefäßbedingte neurologische Erkrankungen (neurovaskulär)

Gefäßbedingte (vaskuläre) Durchblutungsstörungen im Gehirn sind eine der wichtigsten Ausschlussdiagnosen der Synkope. Damit ist gemeint, dass der Arzt eine Ohnmacht häufig von diesen Störungen abgrenzen muss. Klassische Krankheitsbilder hier: der Schlaganfall, vor allem seine zunächst meist rückbildungsfähige Form, die TIA (transitorisch-ischämische Attacke). Die Durchblutungsstörungen beruhen hier auf krankhaften Gefäßveränderungen. Sie führen zu einer verminderten Blutversorgung in bestimmten Gehirnbereichen. Dann können verschiedene neurologische Ausfallerscheinungen wie Sehstörungen, Schwäche eines Armes oder Beines, Schwindel und Gangunsicherheit auftreten. Bei Bewusstlosigkeit kann eine spezielle Form der TIA oder des Schlaganfalls vorliegen, mitunter auch eine Hirnblutung. Hauptrisikofaktor des Schlaganfalls ist Bluthochdruck.

Der Ratgeber "Schlaganfall" informiert Sie genauer.

Aus der Schlüsselbeinschlagader, Arteria subclavia, zweigt die Wirbelsäulenarterie ab. Sie speist den hinteren Hirnkreislauf. Mitunter ist die Schlüsselbeinarterie vor dem Abgang der Wirbelarterie eingeengt. Wenn die Betroffenen den gleichseitigen Arm stark beanspruchen, zum Beispiel bei Überkopfarbeit, wird er unzureichend durchblutet. Der Ausgleich erfolgt, indem der Blutfluss in der Wirbelarterie sich umkehrt. Das Blut fließt dann nicht zum Gehirn, sondern zum Arm. Dabei holt sich die Wirbelarterie das Blut auch vom Parallelgefäß auf der Gegenseite (Subclavian-steal-Syndrom oder Anzapfsyndrom). Zu einer Mangeldurchblutung im Gehirn kommt es vor allem dann, wenn der hintere Hirnkreislauf weitere Engstellen aufweist.
Symptome: Es kann zu synkopenähnlichen Bewusstseinsstörungen kommen, die Experten heute aber zu den TIAs zählen (siehe oben). Schwindel, Seh- und Hörstörungen auf der betroffenen Seite, meist links, sind noch die "milderen" Beschwerden. Der Arm kann bei Belastung schmerzen. Auffälliges Zeichen ist ein Blutdruckunterschied von mehr als 20 mmHg zwischen den Armen (niedrigerer Wert auf der erkrankten Seite). Eventuell hört der Arzt auch ein Strömungsgeräusch über dem Schlüsselbein.

Die Therapie beinhaltet eine Aufdehnung des Gefäßes mit Einlegen einer Gefäßstütze oder eine Bypass-Operation. Anschließend erhält der Patient ein Medikament, das die Blutgerinnung beeinflusst.

Epilepsie

Mitunter wird der Arzt bei der Diagnose einen epileptischen Anfall ausschließen. Eine einzelne "Krampfattacke" dauert je nach Art und Ausprägung zwischen wenigen Sekunden bis ein oder zwei Minuten, in schweren Fällen deutlich länger. Manche Anfälle gehen mit einer Trübung oder dem Verlust des Bewusstseins einher, andere passieren bei wachen Sinnen. Es kann zu kurzen Zuckungen von Muskelgruppen kommen, zu plötzlichen Verkrampfungen oder beidem. Auf einen epileptischen Hintergrund können zudem ein eher seitlicher Zungenbiss und eine bläuliche Hautfarbe während des Anfalls hinweisen, in diesem Fall mit Bewusstseinsverlust.

Eingehende Informationen über diese Erkrankung finden Sie im Ratgeber "Epilepsie".



Hirnstromkurve (EEG)

Andere neurologische Störungen

Unter Drop Attacks verstehen Mediziner Sturzanfälle, die nicht mit einer Epilepsie zusammenhängen. Die Betroffenen stürzen durch einen plötzlichen Verlust der Muskelspannung und der Haltungskontrolle, bleiben jedoch bei Bewusstsein. Die Hirnstromkurve (EEG), ein wichtiges diagnostisches Instrument in dieser Situation, ist normal.

Verschiedene Ursachen kommen infrage. Im Umfeld der Drop Attacks sehen Ärzte einige seltene neurologische Krankheitsbilder, teilweise aber auch medikamentös bedingte Stürze bei älteren Menschen. Zudem kommen solche Sturzattacken mitunter bei Frauen im Alter von 40 bis 60 Jahren vor – die Ursache bleibt meist unklar, und die Sturzneigung vergeht auch wieder.

Störungen wie die Kataplexie reihen sich hier ebenfalls ein. Bei Kataplexie (der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Schrecklähmung) kommt es zu einem plötzlichen Spannungsverlust der Muskeln im Rahmen einer starken Gefühlsregung wie Ärger, Schreck, Erregung. Freude, Lachen. In schweren Fällen führt dies dazu, dass der Betreffende in sich zusammensackt. Kataplexie kommt im Rahmen der Narkolepsie vor, einer speziellen Form der Schlafstörung mit sekunden- bis minutenlangen Schlafattacken tagsüber.

Der Ratgeber "Schlafstörungen" beschreibt die verschiedenen Formen gestörten Schlafes ausführlich.

Patienten mit Migräne haben etwas häufiger Synkopen als Menschen ohne Migräne. Allerdings zeigen sich beide Attackenformen nicht gleichzeitig. Bei der Basilarismigräne, einer sehr seltenen Migräneform, treten vor allem am Hinterkopf pulsierende Schmerzen auf. Vorherrschende Beschwerden sind Anfälle von Drehschwindel und Gangunsicherheit mit Sturzgefahr, was die Betroffenen zwingt, sich hinzulegen. Vorausgeht eine sogenannte Aura mit verschiedensten Wahrnehmungsstörungen, die bis zu sechzig Minuten dauern kann. Es kommt aber nicht zur Bewusstlosigkeit.

Lesen Sie mehr im Ratgeber "Migräne".

Innere Erkrankungen, Vergiftungen
, Operationsfolgen

Benommenheit oder Bewusstlosigkeit können auch Zeichen einer Vergiftung, eines Entzuges (Alkohol, Drogen) oder einer schweren Entgleisung von Blutsalzen (Natrium- oder Kaliummangel) sein. Dafür gibt es wiederum eine ganze Reihe möglicher Ursachen, darunter Erkrankungen der Nebennieren wie etwa bei Morbus Addison, und der Hirnanhangdrüse.

Ein niedriger Blutzuckerspiegel (Unterzuckerung) bei Diabetes führt zum Energiemangel der Gehirnzellen, es kann zu Bewusstseinsstörungen kommen. Mehr dazu siehe oben, Abschnitt "Andere Formen akuter Bewusstlosigkeit", im Ratgeber "Diabetes Typ 1" sowie im Spezial "Unterzucker (Hypoglykämie)" auf www.diabetes-ratgeber.net

Von orthostatischen Ohnmachten grenzen Ärzte Kollapszustände ab, die durch einen starken Blutverlust oder Flüssigkeitsmangel verursacht werden. Das Blut besteht normalerweise zu etwa 45 Prozent aus Flüssigkeit (Plasma) und dieses wiederum zu 95 Prozent aus Wasser. Bei einer schweren Blutung oder massivem Flüssigkeitsmangel kann eine Synkope auftreten, oder es droht sogar ein Kreislaufschock. Das heißt, die zirkulierende Blutmenge ist zu gering, um die Durchblutung lebenswichtiger Organe aufrechtzuerhalten. Mögliche Ursachen für einen Flüssigkeitsmangel sind starkes Schwitzen, Fieber, heftige Durchfälle oder wiederholtes starkes Erbrechen.

Unter Hyperventilation („Lufthunger“) versteht man eine zu schnelle oder zu tiefe Atmung. Dabei sinkt der Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut (Hypokapnie), da das Gas vermehrt abgeatmet wird. In der Folge sind Verkrampfungen möglich, die sich zum Beispiel an den Händen als Pfötchenstellung zeigen. Ärzte sprechen hier von einer Hyperventilationstetanie durch Verschiebungen des Kalziums im Blut. Begleiterscheinungen sind oft vegetative Symptome wie Schwitzen, kalte Hände, kalte Füße und Kribbeln. Bei ausgeprägter Hyperventilation kommen auch Konzentrations- und Bewusstseinsstörungen vor. Auslösend sind manchmal Panik- und Angstzustände oder starke Schmerzen.

Einer chronischen Hyperventilation liegen häufiger Herz- oder Lungenerkrankungen zugrunde. Ursache der veränderten Atmung ist dann in der Regel Sauerstoffmangel.
Bei Stoffwechselstörungen versucht der Körper, über die Atmung eine krankhafte Stoffwechsellage auszugleichen. Gehirnerkrankungen können ebenfalls die Atmung verändern. In der Folge sind Durchblutungsstörungen im Gehirn, Sehstörungen, Konzentrationsstörungen und Benommenheit, eventuell Bewusstlosigkeit möglich.

Zu rasche Entleerung eines operativ verkleinerten Magens beim Nahrungstransport kann von starken Darmreaktionen, Kreislaufstörungen, einem Blutdruckabfall und möglicher Ohnmacht (Frühdumping-Syndrom) gefolgt sein. Teilweise hilft hier eine angepasste Ernährung mit kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt oder aber eine Sondenernährung, sofern nicht eine operative Korrektur infrage kommt. Diese Reaktion ist von einer Ohnmacht nach dem Essen (postprandiale Synkope) abzugrenzen (siehe oben unter Reflex-Synkope, Abschnitt "Situative Synkope").



Auch Hilfeleistende, die bei dem Ohnmachtsanfall dabei waren, können wichtige Hinweise geben

Diagnose: Den Synkopen auf der Spur

Es geht darum zu erkennen, ob eine Ohnmacht wirklich eine Synkope war, was die Ursache ist und ob der Betroffene gefährdet ist, weitere, vielleicht noch bedrohlichere Synkopen zu erleiden.

Der Arzt wird den Betroffenen zunächst eingehend befragen: zu seinem Befinden in der Zeit vor dem Ereignis und früher (Anamnese, Eigenanamnese). Ganz wichtig für den Arzt  zu wissen ist, ob der Patient schon einmal einen Ohnmachtsanfall hatte und wenn ja, wie lange das her ist. Es stellen sich aber noch viele andere Fragen.

Den Arzt interessiert zum Beispiel Folgendes (Anamnese, Eigenanamnese):

- Leidet der Betroffene an einer Krankheit, etwa Parkinson, Diabetes, Epilepsie?
- Nimmt er Medikamente ein, und wenn ja, welche?
- In welcher Körperposition ereignete sich der Kollaps?
- Vollführte der Betroffene unmittelbar vorher bestimmte Kopf- oder Armbewegungen?
- Bei welcher anderen Aktivität passierte der Kollaps?
- Gab es begünstigende Faktoren oder Warnzeichen?
- Hat der Betroffene zuvor Schmerzen verspürt, und wenn ja, wo?
- Hatte er vorher Herzstolpern?

Fragen an bei dem Vorfall Anwesende (Fremdanamnese):

- Bei einem Kollaps oder Sturz: Wie war das genau: Stürzte der Betroffene oder sackte er in sich zusammen?
- Wie lang dauerte die Bewusstlosigkeit?
- Hatte der Betroffene Krämpfe oder machte er krampfartige Bewegungen oder hatte er eher schlaffe Muskeln?
- War die Hautfarbe auffällig?
- Was zeigte der Betroffene, als er wieder bei Bewusstsein war? War er zum Beispiel verwirrt oder konnte sich an nichts mehr erinnern?



Aufzeichnung der Herzstromkurve (EKG)

Aufschluss gibt oft die anschließende gründliche körperliche Untersuchung. Dabei tastet der Arzt auch die Gefäßpulse ab. Am Bauch und Hals hört er behutsam nach Gefäßgeräuschen. Es folgen Puls- und Blutdruckmessungen im Liegen und Stehen. Dabei überprüft der Arzt den Blutdruck an beiden Armen (siehe oben: Subclavian-steal-Syndrom).

Außerdem zeichnet er eine Herzstromkurve (EKG), eventuell auch ein Langzeit-EKG auf. Auf Basis dieser Erstbefunde ergibt sich manchmal schon die Diagnose oder aber eine Verdachtsdiagnose, die es weiter zu erhärten gilt. Dazu dienen verschiedene spezielle Untersuchungen.

Bei Verdacht auf eine Karotis-Sinus-Synkope ist eine Karotis-Sinus-Massage sinnvoll, bei vermuteter Orthostase-Synkope ein Stehversuch, bei vermuteter Orthostase- oder Reflex-Synkope außerdem eine Kipptischuntersuchung.



Karotis-Sinus-Druckversuch (schematisch; Halsschlagader zum besseren Verständnis hervorgehoben)

Ein Karotis-Sinus-Druckversuch ist ein klinischer Test, der bei Patienten infrage kommt, bei denen sich aufgrund der Erstbefunde noch keine genaue Ursache finden lässt, der Arzt aber einen überaktiven Karotis-Sinus vermutet (Karotis-Sinus-Syndrom). In der Regel sind sie über 40 Jahre alt. Dabei "massiert" der Arzt die Halsschlagader vorsichtig an typischer Stelle nacheinander auf beiden Seiten, wobei der Patient jeweils zuerst eine liegende und dann eine aufrechte Haltung einnimmt. Parallel laufen kontinuierliche Blutdruckmessungen und eine EKG-Aufzeichnung.

Ein Karotis-Sinus-Syndrom besteht, wenn unter der Massage eine Pulslosigkeit von mehr als drei Sekunden und / oder ein Blutdruckabfall von über 50 mmHg zusammen mit einer Synkope auftritt. Nicht ganz auszuschließen sind bei diesem Test bestimmte Komplikationen – sie sind aber selten (unter ein Prozent). Der Arzt wird daher zum Beispiel bei einem Patienten mit Durchblutungsstörungen des Gehirns (eine kürzlich aufgetretene transitorisch ischämische Attacke = TIA; Schlaganfall) oder bei nachgewiesener Verkalkung der Halsschlagader mit Einengungen des Gefäßes von der Untersuchung absehen. Das heißt, dass er dem Test eine Untersuchung der Halsgefäße mit Ultraschall (siehe unten) voranstellt, falls kein entsprechender aktueller Befund vorliegt.

Beim Stehversuch nach Schellong wird der Blutdruck zunächst im Liegen gemessen, dann engmaschig im Stehen, jeweils über ein Zeitintervall von zehn Minuten. Bei einer Orthostase-Synkope sinkt der systolische Blutdruck nach drei Minuten im Stehen um mehr als 20 mmHg oder der diastolische Druck um mehr als 10 mmHg. Oder der systolische Wert fällt unter 90 mmHg ab. Insbesondere in Verbindung mit einer Synkope ist der Test positiv.

Der Kipptischtest dient dazu, eine Ohnmacht unklarer Ursache oder eine Orthostase-Synkope zu erkennen und sie gegebenenfalls gegen eine Reflex- oder Reflex-Stehsynkope abzugrenzen. Durch die Kippstellung werden die Bedingungen, die zu einer Ohnmacht führen können, nachgeahmt. Das Versacken des Blutes fordert die gegensteuernden Reflexe heraus. Greifen sie jedoch nicht, sinken Blutdruck und / oder Herzschlag kritisch ab, und es kommt zur Synkope. Der Betroffene, an die nötigen Messgeräte angeschlossen, liegt zunächst horizontal für 15 Minuten auf dem Rücken. Danach wird er mitsamt Unterlage um etwa 70 Grad nach oben gekippt und verbleibt bis zu 45 Minuten in dieser Lage. Gegebenenfalls setzt der Arzt noch ein Medikament ein, um den "Reflex-Stress" beim Test noch zu verstärken. Bei dann immer noch unklaren Ergebnissen stehen dem Arzt ganz spezielle Tests zur Prüfung des vegetativen (autonomen) Nervensystems sowie verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung. Oft ist dann auch die Zusammenarbeit mit einem Neurologen gefragt.

Bei Verdacht auf eine Herzmuskel- oder Herzklappenerkrankung nimmt der Arzt das Pumporgan mittels einer Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) ins Visier. Ist eine Synkope nach körperlicher Belastung aufgetreten, erfolgt ein Belastungs-EKG. Darüber hinaus kommen zur speziellen Herzrhythmusanalyse spezielle elektrophysiologische Verfahren infrage, etwa Aufzeichnungen des Herzrhythmus mit Rekordern, die außen am Körper oder innerlich angebracht werden. Durch die Möglichkeit, die Daten an ein eingebundenes Kontrollzentrum zu übermitteln (Telemetrie), haben die Rekordertechniken inzwischen an Bedeutung gewonnen. Dagegen setzen Ärzte den Herzkatheter zur Abklärung von Synkopen nur bei besonderen Fragen ein.

Bei Verdacht auf eine neurologische Ursache, etwa einer Epilepsie, ist die Aufzeichnung einer Hirnstomkurve (EEG) aufschlussreich. Andere Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit oder eine Durchblutungsstörung des Gehirns erschließen sich dem Arzt klinisch-neurologisch oder mithilfe bestimmter bildgebender Verfahren. Eine Ultraschalluntersuchung der großen Halsarterien (Farbduplexsonografie) lässt den Zustand dieser wichtigen, das Gehirn versorgenden Gefäße erkennen. Das erlaubt wiederum Rückschüsse auf Ursachen einer gestörten Gehirndurchblutung, sagt aber auch etwas über die mögliche allgemeine Gefährdung des Patienten durch die Arteriosklerose aus. Mittels Ultraschall lassen sich sogar Hirngefäße durch den vergleichsweise dünnen Schläfenknochen hindurch begutachten.

Geht die Verdachtsdiagnose in Richtung einer psychischen Ursache, ist nach Ausschluss körperlicher Ursachen ein Check-up bei einem Facharzt für Psychotherapie und Psychiatrie sinnvoll. Er wird auch die Frage im Auge behalten, ob eventuell ein derzeit eingenommenes Psychopharmakon für die Ohnmacht mitverantwortlich ist. Diese Frage lässt sich in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kardiologen und Psychiater klären.


Laboruntersuchungen dienen dazu, etwa einen Herzinfarkt oder eine Blutarmut zu erkennen. Auch bestimmte innere Erkrankungen, die Entgleisungen der Blutsalze oder des Stoffwechsels auslösen können, spiegeln sich meist im Blut wider.

Auch wenn die Ursache letztlich offenbleibt, sollte zumindest klar sein, ob der Betroffene vermehrt gefährdet ist, eine weitere Ohnmacht zu erleiden, möglicherweise auch mit einem lebensbedrohlichen Verlauf. Natürlich ist immer auch die Möglichkeit einer Bewusstseinsstörung infolge einer Kopfverletzung zu berücksichtigen, was sich aber in der Regel schon im Rahmen der Anamnese und körperlichen Untersuchung klären lässt. Bei älteren Patienten ist außerdem eine Sturzproblematik aufgrund einer Gangunsicherheit und anderer, damit zusammenhängender Faktoren auszuschließen, etwa einer Osteoporose oder Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln.


Wann in die Klinik?

Hat jemand Beschwerden wie starke Brustschmerzen (Angina pectoris), Atemnot, eine blasse, kaltschweißige Haut, bläuliche Lippen und starke Schwäche, muss er sofort in eine Klinik gebracht werden. Dasselbe gilt natürlich bei Bewusstlosigkeit, die nicht in kürzester Zeit wieder vergeht, und einem Schock (siehe dazu auch oben, Abschnitt: "Was tun im Notfall?").

Therapie

Die Behandlung nach der Akutsituation hängt von der Ursache ab.

Bei den als solchen meist harmlosen Reflexsynkopen bewirken Medikamente wenig. Nützlich sein können aber die weiter unten genannten Empfehlungen zur Selbsthilfe. Patienten, die sich durch wiederholte Ohnmachten stark beeinträchtigt fühlen, können ein Kipptisch- oder Stehtraining versuchen. Dieses bieten manche spezialisierte Kliniken an. Seltener ist ein Schrittmacher sinnvoll, etwa wenn bei einer Synkope ein extrem langsamer Herzschlag festgestellt wurde. Solche Reflexsynkopen werden auch kardiodepressorisch genannt, weil sie das Herz dämpfen.

Orthostatische Synkopen sprechen meist auf bestimmte Medikamente an, die die Gefäßspannung erhöhen, etwa sogenannte Sympathomimetika oder Alpha-1-Adrenorezeptoragonisten wie zum Beispiel Midodrin. Auch sogenannte Mineralokortikosteroide können helfen. Der Arzt wird diese Optionen wegen der möglichen Nebenwirkungen und Gegenanzeigen genau prüfen. Weitere wichtige Maßnahmen im Abschnitt "Vorbeugung und Selbsthilfe".



Schrittmacher: Das Gehäuse sitzt unter der Haut, die Elektroden liegen im Herz

Patienten mit einem Karotis-Sinus-Syndrom erhalten einen Herzschrittmacher.

Bei Herz-Synkopen kommt es auf die genaue Ursache und die Art und Ausprägung der zugrunde liegenden Herzerkrankung an. Bei Herzrhythmusstörungen mit sehr langsamem Herzschlag oder Pausen und mit Synkopen (manchmal auch ohne Letztere) ist ein Schrittmacher angezeigt. Schnelle Rhythmusstörungen, die den Patienten gefährden, lassen sich oft durch spezielle Medikamente (Antiaarrhythmika) unterbinden. Manchmal erreicht der Arzt dieses Ziel mittels einer Katheterverödung im Herzen.

Unter Umständen setzen Ärzte auch einen speziellen Schrittmacher ein, nämlich einen sogenannten implantierbaren Defibrillator (ICD). Er kann besondere Formen schneller Rhythmusstörungen durch Abgabe eines Stromimpulses durchbrechen. Bei allen diesen Fragestellungen spielt immer auch die zugrunde liegende Herzerkrankung eine Rolle. Sie kann zusätzliche Behandlungsmaßnahmen und Medikamente nötig machen. Ob Sport oder körperliche Belastung nach einer Herz-Synkope empfehlenswert ist, entscheiden Ärzte ganz individuell.

In einigen Fällen, etwa bei einem Herzfehler, kann auch ein Eingriff infrage kommen.

Mehr Informationen über den unregelmäßigen Herzschlag finden Sie im Ratgeber "Herzrhythmusstörungen".

Andere auslösende Erkrankungen behandelt der Arzt so gezielt wie möglich.

Vorbeugung und Selbsthilfe

Wichtig ist bestmöglich vorzubeugen und im Falle eines Falles gegenzusteuern. Dazu gibt es bewährte Ratschläge und Empfehlungen.

Praktische Tipps

Vasovagale Reflexsynkope:

Die hier meist jüngeren Betroffenen können Ärzte in der Regel beruhigen. Sie werden ihnen meist bestätigen, dass das Problem eher harmlos ist, nicht behandelt werden muss, und dass die Aussichten gut sind. Das hilft, wieder Mut zu fassen und den Alltag ganz normal wie vorher auch zu gestalten. Mit einem kleinen neuen Akzent:

- Vermeiden Sie Situationen, die eine Ohnmacht auslösen können, wie langes Stehen, überfüllte, stickige Räume, Stress, besonders auch Alkohol.
- Wenn Sie zu denjenigen gehören, die spüren, dass eine Ohnmacht aufkommt: Lernen Sie diese Warnzeichen wie zum Beispiel Schwindel, Kältegefühl, Schweißausbrüche, Benommenheit richtig einzuschätzen und verhalten Sie sich nach Möglichkeit entsprechend: Gehen Sie schnell an die frische Luft. Oder, falls es knapp wird: Setzen oder legen Sie sich hin, um einer Bewusstlosigkeit zuvorzukommen.
- Gegendruckmanöver: Gehen Sie mit Muskelkraft gegen eine aufkommende Kreislaufschwäche vor: Überkreuzen Sie die Beine im Stehen und pressen Sie sie fest zusammen. Spannen Sie die Gesäßmuskulatur an. Und Fingerhakeln: Verschränken Sie die Finger fest ineinander und ziehen Sie die Hände mit beiden Armen auseinander. Oder gehen Sie, wenn möglich, tatsächlich in die Hocke. Alle diese Übungen lassen den Blutdruck steigen.

Situative Reflexsynkope:

- Vermeiden Sie zu starkes Naseschneuzen und Husten oder schweres Heben.
- Essen Sie gesund und leicht. Bereiten Sie Ihre Mahlzeiten also in kleineren Portionen zu: So können Sie ein Blutdrucktief nach dem Essen vermeiden.
- Von gesunder Kost kann auch der Darm profitieren, sodass die Verdauung besser klappt und Sie sich zu starkes Pressen und damit mögliche Synkopen ersparen.
- Nehmen Sie vom Arzt verordnete Medikamente regelmäßig ein. Zum Beispiel halten Sie eine chronische Atemwegserkrankung so besser unter Kontrolle und sind weniger von Hustenreiz geplagt. Das hilft, Hustensynkopen zu vermeiden.
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Trinken hilft dem Kreislauf

Orthostatische Synkope:

- Nehmen Sie täglich ausreichend Flüssigkeit zu sich, um ein ausreichendes Blutvolumen aufrechtzuerhalten, bei Hitze entsprechend mehr. Normalerweise sollten es mindestens zwei Liter täglich sein, sofern es keine medizinischen Einschränkungen gibt. Wenn Sie keinen Bluthochdruck haben (der eine orthostatische Hypotonie nicht ausschließt), sollten Sie täglich bis zu zehn Gramm Kochsalz aufnehmen, also fast doppelt so viel, wie sonst empfohlen.
- Kompressionsstrumpfhosen unterstützen die Arbeit der Venen, sodass mehr Blut zum Herzen zurückfließt und damit auch in den Kreislauf und Kopf.
- Falls Sie Warnsymptome einer Ohnmacht spüren: Versuchen Sie es mit Gegendruckmanövern (siehe oben). Auch schnelles Trinken kalten Wassers kann helfen.
- Schlafen Sie nachts mit leicht erhöhtem Kopf / Oberkörper (etwa zehn bis 20 Grad). Dadurch pendelt sich der Blutdruck nachts und morgens besser ein, und eine Orthostase lässt sich eher vermeiden.
- Begeben Sie sich stets behutsam aus der liegenden in die aufrechte Position, stehen Sie also morgens langsam aus dem Bett auf.
Der Arzt wird Ihre Medikamente überprüfen – vom Schlafmittel bis zum Blutdrucksenker.
- Bewegen Sie sich nach Maßgabe des Arztes körperlich so gut es geht, stärken Sie den Kreislauf, verbessern Sie die Muskelkraft, vor allem in den Beinen und am Bauch, sowie die Koordination.



Kalte Güsse nach Kneipp bringen den Kreislauf auf Trab

- Ob auch Anwendungen nach Kneipp sinnvoll sind, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt.

Übrigens:

Für ältere Menschen werden Kurse zur Sturzvorbeugung angeboten. Dabei geht es unter anderem um Gleichgewichts- und Krafttraining. Es gibt verschiedene Anbieter. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt. Oder auch bei Ihrer Krankenkasse, die eventuell Präventionsmaßnahmen finanziell unterstützt, etwa für mehr Fitness im Alter.

Risikogruppen:

Dazu gehören zum Beispiel Patienten, die als Ursache für Synkopen eine Herzerkrankung aufweisen, und / oder solche, die Berufen mit besonderen Sicherheitsanforderungen nachgehen, etwa Fahrzeugführer, Piloten oder Menschen, die mit schweren Maschinen arbeiten. Hier müssen vorbeugende Strategien und Vorsichtsmaßnahmen individuell zwischen Arzt und Patient sowie bei Bedarf mit dem Arbeitgeber besprochen werden. Für die beurteilenden Ärzte gibt es Empfehlungen, um die Fahrtüchtigkeit einzuschätzen. Diese beruhen auf veröffentlichten Richtlinien der Kardiologen. Die gute Nachricht: Für Privatfahrer sieht die Lage überwiegend recht günstig aus, da sie meistens wieder am Straßenverkehr teilnehmen können, wenn sich die Gesundheit durch die Therapie stabilisiert hat.



Fachliteratur:

Guidelines for the diagnosis and management of syncope,
European Heart Journal (220) 30, 2631-2671, Version 2009

G. Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2010

Fauci, Braunwald, Kasper et al.: Harrisons Innere Medizin, Deutsche Ausgabe in Zusammenarbeit mit der Charité, herausgegeben von M. Dietel, N. Suttorp, M. Zeitz; McGraw-Hill, ABW Wissenschaftsverlag, 2009

M. Mumenthaler, H. Mattler: Neurologie, 12., vollständig neu bearbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag, 2008



Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 30.11.2011, aktualisiert am 16.05.2012
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, Shotshop/Danstar, W&B/Jörg Neisel, Banana Stock/ RYF, Thinkstock/ iStockphoto, Thinkstock/Hemera, W&B/Martin Ley, W&B/Martina Ibelherr, W&B/ Sallwey/ Szczesny, Thinkstock/Stockbyte, W&B/Bernhard Huber

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