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Schluckstörung (Dysphagie)

Dysphagie wird oft mit Schluckbeschwerden aller Art bis hin zum Kloß im Hals gleichgesetzt. De facto ist das Schlucken oder die Nahrungspassage gestört


Eine Schluckstörung kann mit Schmerzen und Mangelerscheinungen verbunden sein

Essen und Trinken erhalten das Leben. Und wo kein Mangel an Speisen herrscht, können sich – mit der passenden Tafelmusik im Hintergrund – alle Sinne daran erfreuen. Schlüssel zum Erfolg ist der Schluckakt, für viele eine Nebensache. Erst wenn er gestört ist, wird klar, was er eigentlich bedeutet.

Wenn man mal etwas in den falschen Hals kriegt, ist es im wörtlichen Sinn meistens nur ein harmloses Verschlucken. Oder eine dicke Mandelentzündung mit „allen Schikanen“ belegt die Kehle – Halsschmerzen bis über beide Ohren, Schmerzen beim Schlucken, Fieber, kloßige Sprache. Aber das lässt sich in der Regel gut in den Griff bekommen und ist hier kein Thema.


Ganz andere Probleme haben die Menschen, denen durch Behinderung, Krankheit oder hohes Alter die Fähigkeit, zu schlucken, abhanden gekommen ist. Das liegt hauptsächlich an zwei Gründen:

Erstens wird beim Schlucken „automatisch“ der Eingang zur Luftröhre abgedichtet. Klappt das nicht, kann dort Nahrung hineingelangen. Erstickungsanfälle und schwere Lungenentzündungen können die Folge sein.

Zweitens müssen Nahrung und Flüssigkeit, damit der Körper sie überhaupt verwerten kann, natürlich erst einmal „ankommen“. Je nach Art der Dysphagie ist das mehr oder weniger, vorübergehend, zunehmend oder dauerhaft nicht mehr der Fall. Um Gewichtsverlust, Austrocknung und Mangelernährung zu vermeiden, sind dann besondere Wege der Ernährung zu beschreiten.

Diese Überlegungen sind zum Beispiel bei Koordinationsstörungen oder Lähmungen im Mund oder Rachen relevant, also bei allen Formen der sogenannten neurogenen Dysphagie.

Andere Ursachen, etwa verschluckte Fremdkörper, Entzündungen oder Tumore, bilden eine mechanische Barriere, sei es im Bereich des Mund-Rachen-Raums, sei es in der Speiseröhre.

Die Auslöser von Schluckstörungen liegen somit zum einen im Bereich von Mund und Rachen oder in der Speiseröhre. Zusammen bilden sie den Schlucktrakt. Zum anderen geht es um den Schluckakt. Dieser wird vom Gehirn gesteuert. Das betrifft sowohl die willentliche Phase als auch den Reflexanteil. Damit das Schlucken klappt, müssen alle Schritte bis zum letzten „Rädchen“ funktionieren, vor allem das präzise Zusammenspiel von Nerven und Muskeln. Nur dann ist der Transport der Nahrung durch den etwa 40 Zentimeter langen Muskelschlauch zwischen Mund und Magen gewährleistet.

Daraus folgt, dass sowohl Erkrankungen des Gehirns, der Nerven und Muskeln als auch Krankheiten im Schlucktrakt – vom Mund über den Rachen bis zur Speiseröhre – das Schlucken erschweren können. Manchmal sind auch krankhafte Veränderungen in der Umgebung der Speiseröhre im Brustraum schuld daran. Schließlich spielen noch das Skelettsystem (Halswirbelsäule, Zungenbein) und die Psyche eine Rolle – man denke nur an den berühmten Kloß im Hals.

Infektionen, Entzündungen, Verletzungen, Vergiftungen, Immunstörungen, Erbkrankheiten, Fehlanlagen und Alterungsprozesse sind jeweils Auslöser „im Detail“. Das gilt auch für Therapiefolgen, denn Schluckstörungen können durch Medikamente ausgelöst oder verstärkt werden oder nach Operationen und Bestrahlungen im Hals- und Brustbereich auftreten.

Drei weitere Arten von Schluckproblemen werden im Zusammenhang mit Dysphagie öfter genannt: Odynophagie bedeutet Schmerzen beim Schlucken, ohne dass die Nahrungspassage nennenswert behindert ist. Aphagie ist ein kompletter „Schluckstop“, bei dem nichts mehr geht, also weder feste noch flüssige Nahrung herunterrutscht, weil die Speiseröhre komplett – etwa durch einen Bissen – verlegt ist. Presbyphagie umfasst Schluckprobleme bei alten Menschen und wird in einem Extra-Kapitel in diesem Beitrag thematisiert.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 19.07.2010, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: Fotolia/Visionaer/2009

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