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Zittern (Muskelzittern, Tremor)

Zittern kann viele Ursachen haben: Parkinson-Krankheit, Alkoholmissbrauch und Schilddrüsenstörungen sind nur drei von vielen. Mehr über Auslöser und Formen


Zittern: Bewegung wider Willen

Eigentlich ist Zittern (medizinisch: Tremor) eine normale Aktion des Körpers. Unsere Muskeln zittern stets ein kleines bisschen, ohne dass wir das bemerken. Dieses physiologische Zittern kann sich verstärken und sichtbar werden, beispielsweise bei Kälte. Sichtbares Zittern ist gekennzeichnet durch unwillkürliche, in der Regel rhythmische Bewegungen verschiedener Körperteile. Oft spannen sich dabei die Muskelgruppen, die für gegensätzliche Aktionen zuständig sind, abwechselnd an. Frieren wir, so sollen diese Maßnahmen dem Körper „einheizen“. Auch vor Angst, Aufregung oder Erschöpfung können bildlich gesprochen und im Wortsinn „die Knie zittern“. Koffein oder Nikotin im Übermaß lösen die Reaktion zuweilen ebenfalls aus.

Die unbeabsichtigte Muskelbewegung kann aber auch krankheitsbedingt sein. Weil viele Ursachen in Betracht kommen, ist die Suche nach dem genauen Auslöser nicht so leicht. Eine gründliche ärztliche Untersuchung beim Hausarzt und / oder beim Neurologen hilft, die exakte Diagnose einzukreisen. In der Regel prüft der Mediziner insbesondere die Funktion von Gehirn, Nerven und Muskeln. Laborwerte, bildgebende Verfahren und weitere Untersuchungen liefern Hinweise auf zugrunde liegende (Stoffwechsel-)Krankheiten. Viele Tremorarten können behandelt werden.


Ärzte unterscheiden verschiedene Arten von Tremor. Antworten auf die folgenden Fragen sind dabei von besonderem Interesse:

1) Wann tritt das Zittern auf?
2) Wie schnell ist die Zitterbewegung?
3) Wie ausladend ist die Zitterbewegung?

zu 1: Wann tritt das Zittern auf?

•    Es gibt den Ruhetremor. Wie der Name andeutet, setzt er dann ein, wenn die betroffene Körperregion gerade nicht bewegt wird und nicht gegen die Schwerkraft gehalten werden muss. Beispiel: Die Hand beginnt immer dann zu zittern, wenn sie ganz entspannt im Schoß liegt. Sobald die Hand jedoch angehoben wird, etwa um nach einer Kaffeetasse zu greifen, nimmt das Zittern ab oder hört ganz auf. Es beeinträchtigt den Betroffenen daher im Alltag eher wenig. Trotzdem kann das Ruhezittern natürlich als belastend empfunden werden.

•    Ein Aktionstremor beginnt – wie die Bezeichnung vermuten lässt – bei einer Muskelaktion. Dabei gibt es wiederum Varianten:

•    Der Bewegungstremor setzt ganz allgemein bei willentlich gesteuerten Bewegungen ein, zum Beispiel dem Anheben des Arms in Richtung Kaffeetasse.

•    Der Intentionstremor macht sich immer dann bemerkbar, wenn ein ganz bestimmtes Ziel angesteuert wird. Beispiel: Das Zittern beginnt, wenn die Hand den Griff der Kaffeetasse anpeilt und verstärkt sich, je näher die Finger dem Ziel kommen. Ein aufschlussreicher medizinischer Test ist der Finger-Nase-Versuch: Der Patient soll dabei in einer relativ schwungvollen, großen Bewegung mit dem Zeigefinger die eigene Nasenspitze berühren. Der Intentionstremor tritt dann auf,  wenn sich der Finger auf die Nasenspitze zu bewegt, und wird stärker, je näher er dem Ziel kommt. Das Zittern macht es also schwierig oder unmöglich, die Aufgabe zu erfüllen.

•    Der Haltetremor beschreibt ein Zittern beim Halten gegen die Schwerkraft. Beispiel: Wird die Kaffeetasse mit ausgestrecktem Arm eine Weile hochgehalten, beginnt der Arm zu zittern.

zu 2: Wie schnell ist die Zitterbewegung?

Ärzte teilen Zittern nach der Frequenz ein: Es gibt den niederfrequenten Tremor, also ein relativ langsames Zittern mit einer Frequenz von 2 bis 4 Hertz (Hertz = Schwingungen pro Sekunde). Daneben gibt es den mittelfrequenten Tremor mit einer Frequenz von 4 bis 7, und den hochfrequenten Tremor, also ein schnelles Zittern, mit einer Frequenz von über 7 Hertz.

zu 3: Wie ausladend ist die Zitterbewegung?

Unterschieden werden daneben das grobschlägige (also sehr ausladende) Zittern, das mittel- und das feinschlägige (also minimal ausladende) Zittern.

Antworten auf die drei genannten Fragen helfen dem Arzt oft schon, das Zittern einer Ursache zuzuordnen:

Ein Ruhetremor ist beispielsweise charakteristisches (aber kein beweisendes!) Zeichen der Parkinson-Krankheit oder des Parkinson-Syndroms. Die Frequenz beträgt meist 4 bis 6 (7) Hertz, es ist also ein mittelfrequentes Zittern. Sind die Hände betroffen (oft ist es nur eine von beiden), sieht es im typischen Fall ein bisschen so aus, als würde der Patient unsichtbare Geldstücke zählen. Deshalb heißt dieses Zittern auch Münzenzähler-Tremor. Parkinson kann aber auch andere Formen von Zittern auslösen. Und nicht jeder Ruhetremor entsteht durch eine Parkinson Krankheit. Beispielsweise können auch manche Medikamente diese Tremorart auslösen.

Ein Intentionstremor, also Zittern bei einer gezielten Bewegung – hat seine Ursache oft im Kleinhirn, medizinisch Cerebellum. Diese Art der Störung heißt deshalb auch „zerebellärer Tremor“. Eine häufige Ursache ist die Krankheit multiple Sklerose. Ein Intentionstremor kann aber auch andere Auslöser haben, beispielsweise bei anhaltendem Alkoholholmissbrauch auftreten oder durch verschiedene Medikamente entstehen (Lithium u.a.).

Bei einem Zittern, das hauptsächlich als Haltetremor in Erscheinung tritt, kann es sich um eine verstärkte und deshalb sichtbare Form des „normalen“ Zitterns handeln – insbesondere dann, wenn es eine hohe Frequenz hat. Als Auslöser kommen zum Beispiel Muskelerschöpfung oder Angst infrage, unterschiedliche Medikamente wie Antidepressiva, Lithium, Arzneien gegen Epilepsie, manche Asthmamedikamente. Weitere mögliche Ursachen sind eine Überfunktion der Schilddrüse oder eine Unterzuckerung. Auch Vergiftungen, Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenentzug können ein „normales“ Zittern verstärken. Ein grobschlägiges Zittern kommt zum Beispiel bei schweren Leber- oder Nierenkrankheiten vor.

Seltener steckt hinter einem grobschlägigen Halte- und Intentionstremor die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson. Bei dieser Erbkrankheit scheidet der Körper zu wenig Kupfer aus. Die Folge sind schädliche Kupferablagerungen vor allem in Leber, Augen und Gehirn. Frühe Diagnose und Therapie sind wichtig, um weitere Organschäden zu verhindern. Der Verdacht besteht vor allem dann, wenn außer dem Zittern noch andere neurologische Symptome auftauchen (insbesondere bei jüngeren Patienten), und wenn es schon Krankheitsfälle in der Verwandtschaft gibt. Wegweisend für die Diagnose sind Blut- und Urintests, außerdem eine Augenuntersuchung. Dabei fällt oft ein gelb-grüner Ring um die Hornhaut auf.

Essentieller Tremor heißt eine sehr verbreitete Form des Zitterns, die überwiegend als Haltetremor in Erscheinung tritt, sehr selten als Ruhetremor, bei einem Teil der Betroffenen als Intentionstremor. Am häufigsten sind beide Hände betroffen, außerdem der Kopf, die Stimme, beide Beine und der Rumpf. Nicht selten gibt es eine familiäre Veranlagung, weshalb der Tremor auch „familiäres Zittern“ genannt wird. Es kann schon in der Jugend, aber auch erst in höherem Alter einsetzen – wird deshalb manchmal „seniler Tremor“ genannt, obwohl es sich eigentlich nicht um eine „Alterserscheinung“ handelt. Das Symptom bessert sich bei vielen Betroffenen, wenn sie Alkohol trinken. Dieser Effekt kann äußerst verhängnisvoll sein – wenn er zu einer schädlichen Art von „Selbsttherapie“ verleitet oder die Umgebung zu dem falschen Schluss kommt, ein Alkoholproblem könne der Auslöser sein. Störungen in bestimmten Hirnbereichen stecken wohl hinter dem Leiden. Geklärt sind die Ursachen aber noch nicht. Im Normalfall ist der essentielle Tremor harmlos. Er kann aber als störend empfunden werden. Für diesen Fall stehen auch Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

Ungeklärt sind auch die genauen Ursachen beim eher seltenen orthostatischen Tremor: Er macht sich als hochfrequentes, nicht immer sichtbares Zittern der Beinmuskeln bemerkbar. Er kann aber tastbar sein oder durch eine elektrophysiologische Untersuchung registriert werden. Die Patienten fühlen eine Unsicherheit beim Stehen, stürzen manchmal sogar, wenn sie sich hinstellen. Selten haben sie auch beim Gehen Probleme, nicht jedoch, wenn sie liegen oder sitzen.

Der Aufgaben-spezifische Tremor ist auf ganz bestimmte, meistens sehr spezialisierte Tätigkeiten beschränkt, beispielsweise das Schreiben mit einem Stift oder das Spielen eines Instruments, oder er tritt als Stimmtremor auf, beeinträchtigt also das Sprechen. Der positionsspezifische Tremor setzt bei ganz bestimmten Haltungen ein.

Der dystone Tremor zeigt sich im Zusammenhang mit einer Dystonie. Dazu zählen verschiedene Bewegungsstörungen (darunter der spastische Schiefhals), die sich meistens in Form von Verkrampfungen oder Fehlhaltungen bemerkbar machen.

Der sogenannte Holmes-Tremor, meist ein langsamer, wenig rhythmischer Ruhe- und Intentionstremor, hat seine Ursache in einer Schädigung oder Degeneration des zentralen Nervensystems.

Zittern kann auch psychisch bedingt sein (psychogener Tremor). Darauf deutet zum Beispiel eine sehr ungewöhnliche und „unphysiologische“ Kombination verschiedener Tremorarten hin. Beginnt und endet das Zittern sehr abrupt, ändert sich die Art oder die Stärke des Zitterns bei Ablenkung, kann das ebenfalls ein Indiz für einen seelischen Auslöser sein. Aus der Prüfung der Muskelspannung ergeben sich weitere Hinweise.

Viele Menschen spüren ab und zu ein „Zittern“ des Augenlids (Lidzucken, Lidflattern).  Dabei handelt es sich in der Regel aber nicht um einen Tremor, sondern um kurze Zuckungen von Muskelfasergruppen ohne eine Muskelbewegung. Dieses Lidfllattern ist weit verbreitet und meistens harmlos. Die Zuckungen kommen auch am Unterschenkel vor, manchmal in Verbindung mit Muskelschmerzen und Wadenkrämpfen. Selten steckt eine Rückenmark- oder Nervenschädigung (beispielsweise bei Diabetes) dahinter. Im Rahmen der Diagnostik kann der Arzt versuchen, die Muskelzuckungen auszulösen, indem er mit dem Finger auf die Stelle entsprechende Stelle klopft oder indem er ein Medikament in die Blutbahn spritzt.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



www.apotheken-umschau.de; 21.01.2009, aktualisiert am 13.09.2011
Bildnachweis: PhotoDisc/Mel Curtis

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